Lesen auf Rädern: Schüler bringen Funke-Bücher mit dem Bollerwagen in die Klassen
Von Anke Klapsing-Reich am 18. Mai 2010 14:56 Uhr
DORSTEN Mit Wilden Hühnern, Geisterjägern und dem Drachenreiter an Bord ihres Bollerwagens rollen die Bibliothekare der 6 a des St. Ursula Gymnasiums regelmäßig Cornelia-Funke-Lesefutter für die Fünfte direkt ins Klassenzimmer.
Wilde Hühner, Geisterjäger, Drachenreiter und andere Cornelia-Funke-Abenteuer rollen die Bibliothekarinnen dieses Monats - Christine, Luisa, Alina, Franziska, Friederike und Sophie - direkt ins Klassenzimmer der Fünftklässler.
Foto: Anke Klapsing-Reich
Franziska, Friederike, Alina, Luisa, Christine und Sophie haben heute Schicht. Kurz vor der ersten großen Pause holen sie den Bollerwagen von seinem Parkplatz im Kartenraum und überprüfen die Bestände: Die „Wilden Hühner“ hocken in mehreren Bänden ganz oben, „Potilla, der Mützendieb“ lungert neben dem „Drachenreiter“ herum, während sich der „Herr der Diebe“ in der hintersten Wagenecke versteckt hält.
Und wo schlägt „Tintenherz“? „Ausgeliehen“, stellt Christine bei ihrem Blick in die Kundenliste fest, dann setzt sich das Funke-Mobil Richtung Fünftklässler-Trakt in Bewegung.
Unterrichtsreihe
„Cornelia Funke, die ja früher selbst Ursulinen-Schülerin war, ist im vergangenen Schuljahr in meiner damaligen 5 a Thema einer Unterrichtsreihe gewesen“, erzählt Klassen- und Deutschlehrerin Andrea Schneider, während sie ihren Schülerinnen dabei hilft, den Bollerwagen über 13 Treppenstufen zu bugsieren.
Mit großer Begeisterung hätten die Jugendlichen eine klasseneigene Bibliothek aufgebaut, die sie mit kostenlos vom Dressler-Verlag zur Verfügung gestellten Funke-Büchern ausstatten konnten.
Ausgeschmökert
Doch dann waren alle Abenteuer ausgeschmökert. Was tun mit der Tintenwelt? Ungenutzt verstauben lassen, kam als „zu schade“ nicht in Frage. Warum sollten nicht auch nachrückende Fünferklassen von ihrem Funke-Fundus profitieren, dachten sich die Leseratten und brachten die tolle Idee „Lesen auf Rädern“ ins Rollen.
„Den Bollerwagen hat der Förderverein gesponsert“, berichtet Friederike. Die engagierte Klasse arbeitete eine Ausleih- und Benutzerordnung aus, fasste Kurzinfos über die weltberühmte Autorin und ihre Werke in einem dicken gelben Ordner zusammen und organisierte einen rotierenden Dienst von zwanzig freiwilligen Klassen-Bibliothekaren.
Von Lesehungrigen umringt
„Alle zwei Wochen besuchen wir eine fünfte Klasse, nehmen entliehene Bücher und Hör-CDs entgegen oder verlängern auf maximal vier Wochen“, chauffiert das Team den Bollerwagen, der sofort von Lesehungrigen umringt ist, in den Klassenraum.
„Ich hab‘ schon fast alles gelesen“, stöbert Leon Fecke dennoch im Bollerwagen herum und schnappt sich die Drei-Bücher-Box der Geisterjäger: „Hey, echt cool, die sollen richtig spannend sein“, freut er sich und steckt vergnügt seine Bücher-Beute in die Schultasche.
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